SelbstHeilung.me

Selbstheilung ist Versöhnung mit sich selbst

Heilung des Tages

Jenem, der die Werke der Liebe übt, ist der Schleier der Maja durchsichtig geworden, und die Täuschung des principii individuationis hat ihn verlassen.

Autor: Arthur Schopenhauer
Werk: Die Welt als Wille und Vorstellung
ISBN: 3880599734

Interpretation:

Wer die Werke der Liebe übt ist ein Schöpfer. Nur in Liebe können fruchtbare Ideen, neue Systeme und neues Leben entstehen.

Mit „Der Schleier der Maja“ kann eine Ganzkörper-Burka verstanden werden, die sich wie eine Illusion, oder ein Zauber der indischen Göttin Maya über den individuellen Menschen stülpt. Die Burka dient ja bekanntlich weniger dem Schutz der Frauen, vor der bedrohlichen Welt, oder vor den Blicken der Männer. Vielmehr sollen die Frauen die Welt nicht so erkennen können, wie sie ist. Sie sollen Untertanen der Männer bleiben. Das Alte soll bestehen bleiben.

Der Zauber der Maja hat viele Farben. Er äußert sich etwa im Gewinn. Die meisten Menschen sind käuflich. Ihnen wird ein individueller Gewinn versprochen und schon sind sie bereit den Schleier, wie eine Ganzkörper-Burka zu tragen. Sie glauben endlich mit dem Gewinn ein gutes Leben führen zu können. Dabei hält die Burka sie davon ab, überhaupt etwas in der Welt erkennen zu können.

Das Alte, das vergehen muss, bedient sich des Zaubers der Maja, um die eigene Vergänglichkeit nicht erkennen zu lassen. Dem Schöpfer, der in Liebe neue Ideen in die Welt bringt, muss zuvor der Schleier der Täuschung abgefallen sein. Dabei ist es egal, ob es sich um eine neuartige technische Lösung handelt, eine Methode, etwas zu erledigen, um ein überaltertes politisches System, oder um ein überholtes Glaubenssystem.

Der Schöpfer ist in einem Stadium seines Bewusstseins angekommen, in dem er erkennt, dass er ohne den Zauber sein kann. Er braucht den Zauber nicht, um schöpferisch wirken zu können. Im Gegenteil. Er erkennt, dass er unter dem Schleier der Maja nicht schöpferisch tätig sein kann.

Die Herrschenden müssen sich jedoch des Schleiers der Täuschung bedienen, dass nur sie, also die „Schönen und Reichen“ das Recht hätten, für die Welt als Schöpfer tätig zu werden. Der Schöpfer, der in Liebe ist, erkennt, dass das Leiden vieler Menschen sich darauf begründet, dass die Täuschung funktioniert. Er kann die verdrehte Wahrheit (Lügen und Widersprüche) erkennen. Er kann sie deuten, erklären und dadurch anderen Menschen den Schleier vom Leib reißen.

Die Täuschung des principii individuationis ist also das Prinzip der Täuschung des individuellen Menschen, es ihm Glauben zu machen, das Alte sei der einzig gerechte Zustand, in dem das Individuum in Frieden leben könne. Das ist es natürlich nicht.

Der Schöpfer erkennt erst über seine Resignation den Zauber der Illusionen, die man als Ent-Täuschung bezeichnet. Mit der Resignation baut sich eine Abneigung gegen die Täuschung auf, die dazu führt, dass der Schöpfer neues erschaffen kann, was das Alte ersetzen soll.

Diejenigen, die in der Täuschung verbleiben wollen, verfallen eher dem Narzissmus. Der führt dazu, dass man sich mit der Täuschung arrangiert, sie als die einzige Wahrheit anerkennt und sie sogar mit Gewalt verteidigen kann. In der Regel spielen sich die Getäuschten gegenseitig ihre gauklerischen Wollüste und schauspielerisch einstudierten Rollenkonzepte vor. Jeweils immer in der Annahme, dass das Gegenüber die wahre Natur dahinter nicht erkennt. Der Zauber der Maja erweist sich als Fassade, die genau dieselbe Funktion hat, wie eine Theaterkulisse. Es soll nur so aussehen, als ob.

Diese Falschheit existiert für den Schöpfer, der in Liebe ist, nicht mehr. Sie ist von ihm gewichen und wird ersetzt durch das Erkennen der Mechanismen der Natur. Hinter den Schleiern wurde die Wahrheit verborgen. Er genießt es die Natur der Natur, die Natur der Tiere, der Pflanzen und des Menschen ohne einen Schleier beobachten zu können. Er erkennt, dass die Qualen der Selbstversklavung vorbei sind.

Der Schöpfer, der Liebe übt, genießt es sich selbst zu genügen. Er braucht nur sich selbst und keinen Besitz und keine Macht der Welt, um seine Schöpferkraft in die Welt zu bringen. Er fühlt sich wie von einer Krankheit, wie von einer Besessenheit befreit.


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