SelbstHeilung.me

Selbstheilung ist Versöhnung mit sich selbst

Heilung des Tages

Was ist „Die Minne“? Die Lösung

findest du unten im Text. Gestern fand unser 14tägiges Zusammensein, unter dem Titel Das muss geklärt werden statt. Das Ziel des Zusammenseins besteht darin, angestaute, verdregte und auf den Kopf gestellte Aspekte zu klären. Ich hatte im Vorfeld wieder ein Thema in die Runde gegeben, das sicher wieder geklärt werden möchte.

Das in den Raum gestellte Rätsel muss bei Lesern sehr viel Nachdenken ausgelöst haben. Ich habe von vielen lieben Menschen, die zum Teil noch nie bei einem Zusammensein mit dabei waren, Lösungsvorschläge erhalten, die ich zahlenmäßig gar nicht beantworten kann. So dass ich mich dazu veranlasst sehe, die Lösung hier im Blog zu veröffentlichen. Nochmals herzlichen Dank allen Zusendern. Hier nochmal die Frage:

Was ist „Die Minne“?

„Was will er denn mit diesem Begriff?“ höre ich euch schon sagen. Die „Minne“ ist ein Begriff aus dem Mittelalter und wird heute kaum mehr verwendet. Doch sehr viele sind in der Minne. Es sind nicht nur die Minnesänger, die anno dazumal die Burgherrinnen angehimmelt hatten. Der Papst tut es auch, Lichtarbeiter tun es, junge Menschen im freiwilligen sozialen Jahr tun es, die Ordensschwester und der Ordensbruder im Kloster tun es, Stifter mildtätiger Stiftungen tun es, Spender zur Unterstützung mittelloser Menschen tun es, Künstler und Gaukler ohne Gage tun es. Sie alle und noch viel mehr sind in der Minne. Der Hund, der dir auf Schritt und Tritt folgt, ist in der Minne. Der Fußballfan von FC-Bayern-München ist in der Minne.

Im Althochdeutschen wurde seltener das Wort Minne, vielmehr der Begriff „Minna“ verwendet, woraus die Bezeichnung für das damals übliche Hausmädchen entstand. Viele Familien hatten sehr viele Kinder. Die meisten Kinder kamen nicht in den Genuss das Erbe des elterlichen Hofes, Geschäftes oder Gewerks anzutreten. Sie mussten das Haus verlassen und mussten sich eine Bleibe und einen Lebensunterhalt suchen. So war die Minne / Minna ein üblicher Umgang mit dem eigenen Leben.

Heute wird dieser Begriff kaum mehr verwendet, dennoch sind viele, viele Menschen in der Minne. Ich möchte euren Blick auf diesen Aspekt der Lebensführung lenken. Wie wird dieser Lebensstil heute bezeichnet? Welcher Begriff würde aus dem heutigen Sprachgebrauch heraus zutreffend sein? Ich suche mit euch zusammen einen Begriff, der jedoch auch nur in Kreisen verwedet wird, wo die Minne sehr ausgeprägt gelebt wird. Etwa in Religionsgemeinschaften, im Buddhismus oder im Christentum.

Die Lösung ist „Die Hingabe“

Interpretation:

Um an den Ursprung der Deutung des Wortes „Minne“ zu gelangen, dürfen wir einmal versuchen in die damaligen Lebensverhältnisse einzutauchen. Der Begriff ist in einer Zeit entstanden, in der sich die Menschen ungleich schwierigeren Herausforderungen ausgesetzt sahen, als wir es heute denken mögen.

Überzählige Nachkommen, Töchter und Söhne, die erwachsen wurden, konnten nicht alle den elterlichen Betrieb übernehmen. In der Regel konnte das nur einer der Nachkommen. Die anderen mussten sich einen Bereich suchen, wo sie ihr Leben führen konnten. Viele gingen ins Kloster, nicht wenige gingen in Dienste, als Knechte und Mägde, in denen sie lediglich geduldet wurden. Sie erhielten ein Dach über dem Kopf und Verpflegung. Um sich die Gunst der herrschenden Klasse zu erschleichen, verfolgten nicht wenige die Praxis des Minne-Gesang. So die Burg-Herrinen Gefallen am Gesang der Minne-Jünglinge hatte, konnten diese eine bessere Kost und Logie erfahren, als es einem Knecht zukam. Diese wurde jedoch nur solange zur Verfügung gestellt, wie es den Burgherren gefiel.

Um es sich leichter erträglich zu machen, wurde rasch erkannt, dass es nichts nutzt, sich gegen das Schicksal aufzulehnen. Man musste sich dem gesellschaftlichen Stand entsprechend einordnen. Dieses sich einordnen kann durch unterschiedliche Verhaltensweisen erfolgreicher sein, oder eben nicht. Wer in der Minne lebte, konnte das Leben leichter nehmen. Die Dinge sind ihm einfach so zugeflossen. Mit anderen Worten; Wer in der Minne war, konnte das Leben besser meistern.

Jedoch ist in der Minne kaum ein geistiges Erwachen zu erwarten, sondern vielmehr eine Selbstaufgabe. Die Aufgabe des Selbst, also dessen was wir in Wahrheit, in unserem Kern unseres Seins wirklich sind, ist damit verbunden, das Selbst nicht erkennen zu lassen.

In der heutigen Zeit verwenden wir dafür den Begriff „Hingabe“.

Hingabe ist die Fähigkeit sich hinzugeben. Hingabe bedeutet eine starke innere Beteiligung, die aber über Verstand und Vernunft hinausgeht und diese übersteigt. Hingabe bedeutet in Religionen oft eine Hingabe zu Gott. Sein ganzes Leben sozusagen hinzugeben, Gott zu schenken. Die Hingabe gibt es auch im Yoga. Da ist es das Bhakti Yoga (Hingabe, Liebe, Demut, Zuteilung, Verehrung, Anbetung, tiefste Verbundenheit mit Gott). Hier gibt man sich selbst, alle Handlungen, all sein Herz, all seinen Besitz, Gott hin.

Man kann auch Hingabe zu einem Meister empfinden. Natürlich kann man auch Hingabe an eine Sache, ein Interesse, ein Anliegen, eine politische Idee, ein Konzept haben. Z.B. kann man große Hingabe für den Umweltschutz haben. Auf der Ebene der Beziehungen gilt die Fähigkeit zur Hingabe an den Partner als sehr wichtig für die Liebe und Sexualität.

Hingabe ist auch die Fähigkeit loszulassen, den eigenen Verstand auszuschalten, also nicht logisch, sondern sich bedingungslos hingebend und nicht hinterfragend zu handeln. Hingabe bedeutet auch im Augenblick zu leben, ganz im Hier und Jetzt zu sein und sich an den Partner hinzugeben.

Im Augenblick der Hingabe wird der Raum des eigenen Selbst verlassen. Man ist sozusagen nicht zuhause bei sich selbst. Da man sich einem Projekt zuwendet, das man selbst nicht ist, befindet man sich getrennt vom eigenen Selbst im Außen.

Wir dürfen die Hingabe nicht mit der sogenannten rosaroten Brille der körperlichen Liebe verwechseln. Liebe kann aus Hingabe entstehen und Hingabe kann aus Liebe entstehen. Es ist aber nicht dasselbe. Denn Hingabe kann auch ohne Liebe und Liebe kann auch ohne Hingabe sein.

Auf heutige Umstände übertragen können wir sagen, dass wir uns sehr oft in der Minne/Hingabe befinden, bemerken davon aber kaum etwas, weil wir die Hintergründe kaum hinterfragen, oder die Situation nicht durchschauen können oder wollen. Mitunter erkennen wir noch nicht einmal, dass es auch hier immer einen Theatervorhang gibt, hinter den wir schauen könnten, wenn wir es denn wollten. Mitunter hinterfragen wir nicht, weil wir es nicht besser wissen, als das, was wir erkennen können, wollen oder können wir zumeist auch nicht sehen. Aber nur über das Erkennen können wir an den augenblicklich stattfindenden Aspekten vorbei gehen, um sie hinter uns zu lassen, um auch hier ein Stück des Wegen vom Aufstieg weiter gegangen zu sein.

Immer dann, wenn du denkst, dass es nun mal so gemacht werden muss, oder dass man da halt nichts machen kann, besteht die Tendenz, sich hinzugeben. Man könnte meinen, sich zu ergeben. Du hast alle Freiheit auf dieser Ebene stehen zu bleiben, um dich vielleicht auszuruhen. Es ist alles freiwillig. Du kannst stehen bleiben, musst es aber nicht.

Wenn du weiter gehen möchtest, ist es erforderlich, dich immer wieder selbst in dem gesellschaftlichen Geflecht zu hinterfragen. Du darfst dich selbst dabei beobachten, auf welche Weise du immer wieder darauf hereinfallen magst, dich den scheinbaren Gegebenheiten zu ergeben.

Für mich bedeutet es oftmals, wenn ich Hingabe beobachte, eben vielfach auch Stillstand zu erkennen. Es ist halt so. Dann soll ich das beste daraus machen und soll mich am besten den Dingen hingeben. Auch in spirituellen Kreisen wird all zu oft zu dem Begriff Hingabe als Empfehlung gegriffen, wenn hinterfragende Menschen mit sich selbst nicht klar kommen, wenn sie etwas nicht klären können, wenn sie eine schwere Erkrankung haben, oder wenn sie beginnen an sich selbst zu zweifeln.

Ich gehe anders an die Fragen heran, die Menschen an mich herantragen. Meine Empfehlung ist nicht die Selbstaufgabe, die ich hier und da schon in der Aufforderung zur Hingabe entdecken konnte, sondern den Weg der Selbsterkenntnis weiter zu gehen. Und jedes Gespräch, jede Begegnung hilft auch mir dabei, mich immer besser selbst zu erkennen.

Kontakt


Wenn Dir dieser Artikel gefallen hat, würde ich mich über einen kleinen Beitrag zur Unterstützung meiner Arbeit sehr freuen! Spende hier mit Paypal, oder als Überweisung direkt, siehe Impressum.

Advertisements

Einzelbeitrag-Navigation

Schreibe hier Deinen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: