SelbstHeilung.me

Selbstheilung ist Versöhnung mit sich selbst

schau an 09 04 2018

Himmelskind

HIMMELSKIND basiert auf der außergewöhnlichen und wahren Geschichte der Familie Beam. Als Christy erfährt, dass ihre 10-jährige Tochter Anna an einer seltenen, unheilbaren Krankheit leidet, sucht sie verzweifelt nach einer Therapie. Nach einem Unfall, bei dem Anna aus großer Höhe hinunterfällt, geschieht ein Wunder, das die Ärzte vor ein Rätsel stellt, ihre Familie rettet und ihre Umgebung inspiriert.
Erscheinung: 16. März 2016 (USA)
Regisseurin: Patricia Riggen
Autorin: Christy Beam

Trailer:
Interpretation:

Mit dem Film „Himmelskind“ betrat ich beim Betrachten eine scheinbar heile Welt. Eine Familie, drei hübsche Töchter Adelynn (Courtney Fansler), Annabel (Kylie Rogers) und Abby (Brighton Sharbino), die Mutter Christy Beam (Jennifer Garner) ist Hausfrau und hat die heile Welt eingerichtet, der Vater Kevin Beam (Martin Henderson) ist Tierarzt und scheint ein zu großes Hertz für herrenlose Hunde zu haben. Auffallend war, dass sich die Familienmitglieder ständig gegenseitig etwas vorzuspielten scheinen, wie lieb sie zueinander seien, wie einsichtig sie seien. Das scheint eine Folge der Indoktrination bzw. Pastoralisierung zu sein, die durch die Kirchengemeinde und nicht zuletzt durch Pastor Scott (John Carroll Lynch) an die Menschen herangetragen wird. Die Menschen erziehen und züchtigen sich gegenseitig. Denn den Menschen wird suggeriert, dass sie nur dann ein guter Mensch seien, wenn sie nur intensiv genug an Gott glauben würden. Ein Fehlverhalten fällt den Menschen aber immer nur an den anderen auf. Ihr eigenes sehen sie nicht. Und wer will schon als ein schlechter Mensch gesehen werden?

Der Kern der Geschichte ist eine Darmverschlingung mit Darmverschluss bei der mittleren Tochter. Die Schulmedizin kann der Tochter keine Linderung verschaffen. Das mittlere Kind einer Familie wird durch die Eltern leicht mal übersehen. Trotzdem hat es dieselben Empfindungen und denselben Bedarf nach Aufmerksamkeit, wie andere Kinder.

Die Mutter scheint etwas Wichtiges nicht ertragen zu können. Meinungsverschiedenheiten zwischen ihr und dem Familienvater bleiben nicht aus. Wahrscheinlich war der Konflikt-Auslöser bei der Mutter eine Mischung aus Selbstzweifel, Selbstmitleid, Revierkonflikt, Identitätskonflikt und Angst, was dazu geführt hat, dass Spannungen in der Familie entstehen konnten. Aus meiner Sicht hat die mittlere Tochter die Konflikte der Mutter übernommen, die sich im Krankheitsbild der Tochter wiedergespiegelt haben. Sie hat die Konflikte nicht bewusst oder mit Absichten übernommen sondern es ist eher der biologische Sinn des Rudel-Selbsterhaltungs-Triebes erkennbar.

Der biologische Sinn ist nicht mit Gott zu erklären. Stellen wir uns ein Rudel Wildschweine oder Wölfe vor. Die Rudel bestehen zumeist aus zwei Leittieren und deren Nachkommen. Die Leittiere sind zugleich diejenigen, die für den Fortbestand des Rudels sorgen müssen. Sie müssen sich um Nahrung, um Sicherheit und um den Ausbau des Revieres kümmern. Der Fortbestand des Rudels ist davon abhängig, dass es den Leittieren gut geht. So kann es passieren, dass die Nachkommen die Themen und Konflikte der Leittiere auf sich projizieren. Obwohl die Leittiere den Konflikt austragen müssten, trifft es eines der Nachkommen, die scheinbar für das Fehlverhalten der Elterntiere leiden müssen. Aber nein, das ist kein Leiden im engeren Sinne von: „Da ist etwas kaputt, das man reparieren muss.“ Es ist der Selbsterhaltungstrieb des Rudels, der sich hier seine Bahn bricht. Wenn die Eltern dies erkennen würden könnten sie auf das Projektionsverhalten der Tochter eingehen und sie aus diesem Dilemma herausholen. Der Sinn besteht also darin, dass die Leittiere gesund und vital bleiben, aber wegen ihres Verhaltens untereinander durchaus eines ihrer Nachkommen verlieren können. Aber das Rudel lebt weiter. Tatsächlich wird der naheliegende biologische Lösungsweg durch die Familie nicht gesehen.

Die über der Mutter schwebende Frage lautet: „Warum lässt ein liebender Gott ein Mädchen wie Annabel so sehr leiden?“ Diese Frage wird im Film leider nicht beantwortet. Pastor Scott versucht die Mutter eher daran zu erinnern öfter in die Kirche zu kommen, als ihr eine zufriedenstellende Antwort geben zu können.

Als sich Mutter und Annabel in der weit entfernten Stadt befinden, lernen sie Angela (Queen Latifah) kennen, die mit ihnen die Wartezeit vertrödelt. Die Mutter war in ihrer Verzweiflung ohne einen Termin beim Clown-Arzt aufgetaucht. Sie suchte in ihrer Verzweiflung den weit entfernten und scheinbar schwer beschäftigten Spezialisten auf. Dieser kann der Tochter jedoch nicht helfen, aber er kann sie wie ein Clown aufheitern. Das ist ja auch schon mal was.

Annabels Schmerzen wurden nicht weniger. Der Verlauf der Erkrankung schien sich weiter zuzuspitzen. Da sagte Anna ihrer Mutter unter Tränen und Schmerzen, dass sie deshalb nicht mehr leben möchte. Wahrscheinlich wusste sich die Mutter auf diese Ankündigung hin keinen besseren Rat als ihr noch zusätzliche Schuldgefühle einzureden.

Wenn ein Kind die Konflikte der Eltern auf sich Projiziert interpretiert es die Szenerie zumeist so, dass sie es zu fühlen scheint: „Wenn es nicht da sein würde, wären die Konflikte zwischen den Eltern auch nicht mehr da.“ Das Kind zieht ohnehin schon die Schuld auf sich und glaubt, es wäre die Ursache der Konflikte der Eltern. Das ist gar nicht so abwegig. Die Eltern bzw. Leittiere im Rudel hätten nicht so viel zu tun, würden die Nachkommen nicht da sein. Dabei wird aber übersehen, dass die Art oder das Rudel ohne Nachkommen aussterben würde.

Die Mutter redet Annabel also noch zusätzliche Schuldgefühle ein, indem sie ihr unter Tränen vorwirft, dass sie bei der Mutter ein tiefes Loch im Herzen hinterlassen würde, wenn sie sterben wollen würde. Das geht ja schon mal gar nicht. Aber die Mutter konnte sicher nicht anders handeln.

Die Familie kommt anscheinend aus ihrem anerzogenen Verhaltensmodus nicht heraus, dass man sich das „einander Gutsein“ ständig vorspielen muss. Wahre Gefühle kommen nicht zur Geltung. Das kann aber auch eine Schwäche sein, die aus der Verfilmung resultiert. Nachgestellte Begebenheiten wirken kaum authentisch.

Der Clown-Arzt machte der Mutter Hoffnung mit einem Medikament, das jedoch schwere Nebenwirkungen mit sich bringt. Die Reaktion der Mutter lässt darauf schließen, dass sie in jedem Hoffnungsschimmer einen Fortschritt erkennen möchte und verdrängt die Risiken durch die Nebenwirkungen.

Das gut gespielte aber aufdringlich christliche Glaubensdrama nähert sich dem Höhepunkt der Geschichte, als die drei Mädchen im Garten spielen und Abby mit Anna auf einen Baum kletterten. Der Baum muss ziemlich morsch gewesen sein. Ein Ast brach, Anna will sich am Baumstamm festhalten und bricht in den Baumstamm ein, der innen bereits hohl war. Ein riesiges Aufgebot von Feuerwehr und anderen Rettungskräften betrat die Bühne.

Nach drei Stunden sollen sie Anna aus dem Baum herausgeholt haben. Notärzte stellten fest, dass sie am Leben war. Anna wurde sofort mit dem Hubschrauber in die Notfallklinik gebracht. In der sofort veranlassten Notfalluntersuchung wurde festgestellt, dass sie keinerlei schwerwiegende Verletzungen haben würde. Sie könnte wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Zuhause angekommen nahm die Familie in Annas Erscheinung wundersame Veränderungen wahr. Der dicke Bauch war nicht mehr zu erkennen. Das Verhalten des Mädchens war nicht mehr von Schmerz und Depression geprägt. Sie wirkte zuversichtlich und lebensfroh. Natürlich mussten sie noch einmal zu dem Clown-Arzt fliegen, um feststellen zu lassen, dass sie geheilt ist. Der Arzt konnte sich die Spontanheilung bzw. Spontanremission nicht erklären. So dass die Mutter hier wiederholt keine hinreichende Erklärung bekam.

Anna erzählte den Eltern in einer vertraulichen Runde, was sie in der Zeit im Baum eingeschlossen erlebt habe. Sie beschrieb eine Nahtoderfahrung, denn sie wollte ja nicht mehr leben. Während dieser muss sie die Einsicht gewonnen haben, dass es noch nicht ihre Zeit sei. Ihr wurde eingegeben, dass sie geheilt sein würde, wenn sie weiter leben wollen würde. So begab sie sich wieder zurück in ihren Körper.

So ist es kein Wunder, dass die Mutter zusammen mit Pastor Scott die ganze Kirchengemeinde, Presse und Medien, bis hin zu allen Zweiflern in der Kirche versammelt haben. Die Mutter trat vor die Gemeinde, um ihr zu erklären, dass der Glaube an Gott die Tochter geheilt habe. Aus Annas Sicht und aus der Sicht der Mutter mag das sogar stimmen. Es gibt keine Zufälle. Es gibt nur Ursache und Wirkung. Wenn die Hinwendung zu einem Gott – ob er nun existiert oder nicht – die Ursache ist, die zur Heilung führt, war das der richtige Weg. Das bedeutet jedoch nicht dass wir diesen Weg generalisieren sollten und nun jeder bei Erkrankungen in die Kirchen gehen muss.

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