SelbstHeilung.me

Selbstheilung ist Versöhnung mit sich selbst

schau an 12 04 2018

Happy go Lucky

Die Idee zum Film “Happy go Lucky” (Fröhlich ins Glück) soll erst während der vermeintlich ersten Drehtage entstanden sein. Der Regisseur Mike Leigh gilt als eher pessimistisch. Da erstaunte es das Publikum schon, dass er diesen Film produzieren konnte. Er meinte dazu, dass dies nur deshalb möglich war, weil die Schauspieler weitestgehend frei darin waren, ihre Rollen selbst zu improvisieren. Das Ergebnis verblüfft, weil es sehr authentisch wirkt. Diese Freiheit machte aus der Hauptdarstellerin Sally Hawkins, die Poppy spielte, einen neuen britischen Leinwandstar. Was Authentizität doch so im Schauspielgeschäft bewirken kann? Sei einfach wie du bist und lass dich durch nichts und niemand verbiegen.
Erscheinung: 3. Juli 2008 (D)
Regisseur: Mike Leigh
Musik-Komponist: Gary Yershon
Auszeichnung: Golden Globe / Beste Hauptdarstellerin, Komödie oder Musical
Nominierung: Oscar / Bestes Originaldrehbuch

Trailer:
Interpretation:

Poppy (Sally Hawkins) ist eine Frohnatur, wie es im Buche steht. Wo sie erscheint verbreitet sie gute Laune. Damit können viele Menschen gar nicht umgehen. Als unverwüstliche Optimistin dreht sie nicht nur ihre eigene Welt ins Positive, nein sie reißt auch alles um sich herum mit. Sie bemüht sich gar nicht die Stimmung der anderen Menschen aufzuhellen. Es geschieht einfach mit ihr und duch sie hindurch.

Als sie mit dem Fahrrad in die Stadt unterwegs war schloss sie es an einem Geländer an. Als sie von einer Besorgung zurückkehrte, war das Rad offenbar gestohlen worden. Ihre Bemerkung war eher Verwunderung darüber, dass es einfach so weg sein kann, obwohl sich ihr Rad noch gar nicht von ihr verabschiedet hatte. Ihre Natur wendet den Schicksalsschlag ins Positive um. Schließlich meinte sie, dass dies dann ein weiterer Grund dafür wäre endlich Fahrstunden für einen Pkw-Führerschein zu nehmen. Da warteten natürlich weitere Schicksalsbegegnungen auf sie.

Poppy arbeitet als Grundschullehrerin und versucht überall einzumischen, weil sie überall nur helfen möchte. Dieser Charakterzug wird oft als sogenannte soziale Ader beschrieben. Ihre Kontaktfreudigkeit kommt bei den meisten Menschen nicht gut an. Es kann durchaus sein, dass die Menschen mit so viel Fröhlichkeit nicht umgehen können.

Warum ist das so? Die meisten Menschen sind nicht allein zuhause in ihrem Oberstübchen. Da scheinen oftmals noch andere Wesenheiten zu wohnen, die hier uns da die Kontrolle über die Menschen erlangen wollen. Die Ursachenpalette kann als breit bezeichnet werden. Es kann sich um Parasiten handeln, die das Verhalten zu steuern scheinen. Es können geistige Besetzungen vorliegen, die nur deshalb da sein können, wenn der Mensch unbewusst mit sich selbst umgeht. Oftmals ist es auch ein durch den betroffenen Menschen selbst erschaffener Dämon, der die Regentschaft nicht abgeben möchte.

Solch einem Menschen, bei dem vieles die Ursache sein kann, begegnet Poppy in Form ihres Fahrlehrers Scott (Eddie Marsan). Am Anfang ihrer Begegnungen spricht er viel von dunklen dämonischen Theorien aus. So deutet er das „Allsehende Auge“ in Form des Rückspiegels im Auto an. Dann spricht er über die Zahlenreihe 666, bis hin, dass ihn so einige Aspekte wirklich wütend zu machen scheinen. Letztlich geraten Poppy und Scott immer heftiger aneinander, bis Poppy schließlich die Fahrstunden mit Scott kündigen muss.

Der Film würde seinem Titel nicht gerecht werden, wenn er nicht beweisen oder aufzeigen würde, dass man als Frohnatur viel eher sein Glück findet, als in jeder anderen menschlichen Natur. So findet Poppy in einem Sozialarbeiter einen Menschen, den sie mit ihrer Fröhlichkeit nicht erschreckt, sondern seine Zuneigung gewinnt. Zu jedem Topf gibt es den passenden Deckel. Man muss sich dafür nicht verkleiden, schöner machen als man ist oder etwas darstellen was man nicht ist. Man muss nur genau das sein, was man ist.

Poppys Alltag ist genauso schwer belastet, wie jeder andere. Aber sie scheint anders damit umzugehen. Insofern ist der Film kein Schauspiel mehr, sondern ein Portrait der Darstellerin Sally Hawkins. Ihr Portrait scheint stets im Mittelpunkt zu stehen und das ist auch gut so. Deshalb ist es dem Regisseur gelungen, den Weg aufzuzeigen, wie man das Glück einfangen kann. Man kann dem Glück nicht befehlen da zu sein. Man kann es auch nicht kaufen. Man kann nur selbst das Glück sein. Das ist sehr schön gelungen abzubilden.

Eher beiläufig wird dem Zuseher gezeigt, wie Poppy das Leben meistert und welche verrückten Einfälle sie hat, die das Leben glücklicher erscheinen lassen. So steckt sie Hühnerfilets in ihren BH, bastelt Vogelmasken für ihre Schulkinder aus Papiertüten, übt mit den Kindern das gemeinsame Flattern wie die Hühner. Natürlich geht es um den Stil ihres Umgangs mit den Menschen, um die zwischenmenschlichen Ebenen. So erscheinen die dargelegte Rolle der Poppy und dadurch der ganze Film schon als ein Gesamtkunstwerk, das aufzeigt was die Fröhlichkeit mit den Menschen machen kann.

Poppy schert sich nicht um Konventionen. Sie ist einfach sie selbst und möchte das auch bleiben. Dabei geht sie nicht oberflächlich mit ihren Mitmenschen um. Sie zieht die Dinge der anderen nicht ins Lächerliche, sondern in eine positive Betrachtung, wie man die Dinge auch sehen kann.

Der Film kommt nicht mit einer Ermahnung daher, dass nun alle Menschen zu einer Frohnatur mutieren sollen. Ganz im Gegenteil. Happy go Lucky zeigt anhand praktischer Begebenheiten, wie sich negatives Denken zum Schaden der betroffenen Menschen auswirken kann und was die Fröhlichkeit damit machen kann, wenn es zugelassen wird, dass sie sich entfalten kann. Sie lässt das hässliche Gesicht der schlechten Laune wirkungslos erscheinen. Ein dämonischer Charakter verliert seine Wirkung wenn er der Fröhlichkeit begegnet.

Schenken wir der Welt und den Menschen doch einfach mehr Fröhlichkeit! Ich kann auch nur noch über die Ängste der Menschen lachen. Wenngleich ich weiß, dass viele Menschen auch mit meiner Art der Fröhlichkeit nicht umgehen können. Mit diesem Film können wir in einige Untiefen der menschlichen Natur blicken. Wir können aber auch erkennen, wie einfach und spielend es möglich ist die Untiefen zu glätten oder zu heilen, wenn wir bei uns selbst bleiben und uns unsere lebensbejahende und fröhliche Natur nicht wegnehmen lassen.

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