Politiker – Gefangener im eigenen System

Michael Kretschmer (CDU) Ministerpräsident in Sachsen

Politiker – Gefangener im eigenen System

In Dresden fand jüngst etwas Seltsames statt. Ein Runder Tisch, nach dem Vorbild von 1989 der damaligen DDR. Die hochkarätige Runde war als Raubtier gestartet jedoch als zahnloser Tiger gelandet. Was war passiert?

In der vergangenen Woche war in Dresden von Michael Grasemann ein wissenschaftlicher Runder Tisch initiiert worden. Der amtierende Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer (CDU), hatte die Idee aufgegriffen und zu einem eigenen runden Tisch geladen, wo er seine Teilnahme auch zusagte. Die Veranstaltung wurde von Dr. Peter Ufer moderiert.

Weitere Teilnehmer waren: Prof. Dr. rer. nat. Karina Reiß, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Prof. DDr. Martin Haditsch, Prof. Dr. Stefan Homburg, Prof. Dr. med. Sven Hildebrandt, Dr. med. Michael Schnur, Dr. phil. Patrizia Gulde, Prof. Dr. med. Christoph Lübbert und Frau Dr. Regine Krause-Döring.

Der Ministerpräsident hatte die Bedingung geäußert, keine Bild- und Tonaufzeichnungen vorzunehmen. Der Initiator hatte angeboten, in Anbetracht der historischen Bedeutung dieser Veranstaltung, eine Tonaufzeichnung anzufertigen, die jedoch nicht veröffentlicht wird.

Nach Ende der Veranstaltung verlangten die Berater des Ministerpräsidenten jedoch die Herausgabe der Tonaufzeichnung und dies gegen den geäußerten Willen des Ministerpräsidenten. So bleibt die einzige Tonaufnahme bei der Staatkanzlei in Sachsen.

Warum dies so und nicht nach dem Willen des MP abgelaufen war, bleibt der MP seine Antwort schuldig. Da der Grundsatz eines runden Tisches aber Transparenz ist, konnte der Runde Tisch seinen Zweck deshalb nicht erfüllen.

Hier siehst du die Gesprächsrunde nach dem Abgang des MP und ein Statement des Initiators Michael Grasemann.

Das bedeutet, der Ministerpräsident eines Bundeslandes, sicher auch die Bundeskanzlerin und eben jeder, die in Funktionen eingebunden sind, sind nur Gefangene ihres Amtes. Sie sind verstrickt in Verpflichtungen und unentwirrbaren Verflechtungen, und können diese nicht entwirren.

Wenn dies bereits an solch einer Kleinigkeit scheitert, den Willen des MP bezüglich einer Tonaufzeichnung durchzusetzen, wie soll es dann möglich werden, das Große und Ganze auf friedlichem Weg zu entwirren? Aber einen anderen Weg, als einen friedlichen, gibt es nicht.

Das kann leider nur durch den Zusammenbruch der sie stützenden Strukturen geschehen. Mit anderen Worten: Solange Menschen noch dazu bereit sind, auf die Bühne zu gehen – und jedes Amt ist eine Bühne – um etwas im Sinne des Systems darzustellen, wird dieser Wahnsinn nicht aufhören.

Ein Mensch bleibt ein Mensch, aber nicht, wenn er ein Amt übernimmt. Dann ist er nicht mehr der Mensch, der er bisher war. Er ist dann ein Gefangener seines Amtes.

Eine Demokratie trägt den Keim des Totalitarismus bereits in sich. So wie ein Mensch nicht wissen kann, was ihm morgen begegnet, kann auch eine Demokratie nicht wissen, dass sie nicht nur das Gute, sondern auch das Böse ist. So erfährt sich das Leben nicht durch die Geschichte, sondern durch den gelebten Augenblick. Es braucht zunächst eine Pöbelherrschaft, also eine Herrschaft von Idioten, die glauben die richtigen Experten zu sein, und die glauben, dass sie es besser machen könnten.

Das bedeutet, es wird zunächst sogenannte Experten-Regierungen geben. Und sie werden es feiern. Dadurch wird die Herrschaft in die totale Tyrannei abrutschen, bevor irgendwann dann doch die sie stützenden Strukturen zusammenbrechen. Das geschieht, wenn es niemanden mehr gibt, der das System noch stützen kann oder möchte. Dann erst kann sich wieder etwas Neues entwickeln, sozusagen aus den Trümmern.

Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!

Ambarishah

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Ich habe diesen Text nicht dafür geschrieben, um dir zu erzählen, was ich für die Wahrheit halte. Die eine Wahrheit gibt es nicht. Ich möchte dir nur aufzeigen, dass es neben deiner Wahrheit noch andere Betrachtungsweisen gibt. Wer sich viele unterschiedliche Betrachtungsweisen ansehen kann, ohne dabei einen inneren Groll zu verspüren, wird vermutlich jemand sein, der in seinem Frieden angekommen ist. 
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